Digitale Absicherung von Produktionswerkzeugen
Warum Eigentum allein nicht ausreicht und eine technische Absicherung erforderlich ist, um die Produktionskontinuität zu gewährleisten.

Was geschieht mit Ihren Produktionswerkzeugen, wenn ein Lieferant ausfällt?
Warum Eigentum allein nicht ausreicht, um die Produktion fortsetzen zu können
Viele Produktionsunternehmen lassen Bauteile von spezialisierten Zulieferern fertigen. Die dafür benötigten Formen, Werkzeuge, Stempel, Vorrichtungen und anderen Betriebsmittel verbleiben häufig beim jeweiligen Lieferanten.
Das ist praktisch, solange die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Das Risiko wird meist erst sichtbar, wenn ein Lieferant insolvent wird, einen Geschäftsbereich aufgibt, übernommen wird oder die Zusammenarbeit endet.
Dann kann sich herausstellen, dass sich nicht nur das Werkzeug außerhalb des eigenen Unternehmens befindet, sondern auch das technische Wissen, das für die Fortsetzung der Produktion erforderlich ist.
Eigentum ist wichtig, aber nicht ausreichend
Ein Auftraggeber kann die Entwicklung und Herstellung eines Werkzeugs bezahlt haben, während dieses vom Lieferanten konstruiert, angepasst und eingelagert wurde.
Ohne eindeutige Vereinbarungen kann Unklarheit darüber entstehen:
- wem das Werkzeug gehört;
- wo sich das Werkzeug befindet;
- ob es zurückgeholt werden darf;
- wem Zeichnungen und CAD-Dateien gehören;
- welche Daten bei einem Lieferantenwechsel übergeben werden müssen;
- wer für Wartung und Reparaturen verantwortlich ist.
Das rechtliche Eigentum bestimmt, wem das Werkzeug gehört. Die technische Dokumentation entscheidet darüber, ob Sie damit tatsächlich weiterarbeiten können.
Die Rückgabe eines Werkzeugs bedeutet noch nicht, dass die Produktion weiterlaufen kann
Angenommen, eine Form oder Vorrichtung wird nach dem Ausfall eines Lieferanten zurückgeholt. Dann bleiben häufig noch viele Fragen offen:
- Ist das Werkzeug vollständig?
- Für welches Produkt und welchen Revisionsstand ist es vorgesehen?
- Welche losen Einsätze und Wechselteile gehören dazu?
- Welche Reparaturen und Änderungen wurden durchgeführt?
- Entspricht das Werkzeug noch den vorhandenen Zeichnungen?
- Sind Werkstoff, Toleranzen und Einstellungen bekannt?
- Kann ein anderer Lieferant das Werkzeug direkt einsetzen?
Ein Werkzeug ohne aktuelle Zeichnungen und CAD-Daten kann für einen neuen Lieferanten faktisch ein unbekanntes Objekt sein.
Vorhandene CAD-Dateien sind nicht immer aktuell
Auch wenn Zeichnungen oder CAD-Modelle vorhanden sind, ist nicht automatisch sichergestellt, dass diese noch mit dem physischen Werkzeug übereinstimmen.
Während der Nutzung können beispielsweise folgende Änderungen vorgenommen worden sein:
- eine Passung wurde angepasst;
- ein Einsatz wurde ersetzt;
- ein beschädigter Bereich wurde aufgeschweißt und nachbearbeitet;
- eine Schwachstelle wurde verstärkt;
- die Produktgeometrie wurde lokal verändert;
- Verschleißteile wurden durch eine andere Ausführung ersetzt.
Wenn diese Änderungen nicht in die Dokumentation übernommen werden, entsteht eine Abweichung zwischen dem digitalen Modell und der tatsächlichen Ausführung.
Welche Informationen werden bereits erfasst?
In Deutschland und den Niederlanden gibt es Systeme zur Verwaltung von Werkzeugen. Darin werden beispielsweise Werkzeugnummern, Lagerorte, Wartungen, Reparaturen, Revisionsstände, Fotos und Produktionsmengen erfasst.
Das ist wertvoll. Ein solches System ergänzt jedoch fehlende technische Daten nicht automatisch.
Zu wissen, wo ein Werkzeug liegt, ist etwas anderes, als es reparieren, übergeben oder erneut herstellen zu können.
Vier Stufen der Absicherung
1. Administrative Absicherung
- Werkzeugnummer;
- Eigentümer;
- Lagerort;
- Lieferant;
- zugehörige Produktnummern;
- Fotos;
- Revisionsstand.
Dadurch ist das Werkzeug eindeutig erkennbar und auffindbar.
2. Geometrische Absicherung
- 3D-Scan;
- Mesh-Datei;
- Hauptabmessungen;
- Detailaufnahmen;
- Referenzpunkte;
- Dokumentation des aktuellen Zustands.
Durch 3D-Scannen wird die aktuelle Geometrie präzise erfasst.
3. Technisch reproduzierbare Dokumentation
- nominales 3D-CAD-Modell;
- Fertigungs- und Detailzeichnungen;
- Bemaßungen und Toleranzen;
- kritische Passungen;
- Werkstoffangaben;
- Stückliste;
- Montage- und Einstelldaten.
Mithilfe von Reverse Engineering wird beurteilt, welche Geometrie funktional vorgesehen ist und welche Abweichungen durch Verschleiß, Verformung oder frühere Reparaturen entstanden sind.
4. Vollständige digitale Werkzeugakte
- aktuelle CAD-Modelle und Zeichnungen;
- Revisionshistorie;
- Wartungen und Reparaturen;
- Zustandsmessungen;
- Produktionsmengen;
- Verschleißentwicklung;
- Übergabeinformationen für einen anderen Lieferanten.
Auf dieser Stufe werden die technischen Daten und die Historie des Werkzeugs gemeinsam verwaltet.
Handelt es sich dabei um einen Digital Twin?
Der Begriff Digital Twin wird häufig sehr weit ausgelegt. Ein einmaliger 3D-Scan oder ein CAD-Modell ist für sich genommen noch kein vollständiger digitaler Zwilling.
Für viele Produktionswerkzeuge ist das auch nicht erforderlich. Eine aktuelle digitale Werkzeugakte mit Geometrie, Zeichnungen, Revisionen und Wartungsinformationen bietet häufig bereits eine ausreichende Absicherung.
Wenn neue Messungen, Reparaturen und Nutzungsdaten regelmäßig ergänzt werden, kann sich diese Dokumentation zu einem echten digitalen Zwilling weiterentwickeln.
Warum ein 3D-Scan allein nicht ausreicht
Ein 3D-Scanner kann die aktuelle Geometrie sehr genau erfassen. Der Scanner erkennt jedoch nicht automatisch:
- welches Maß ursprünglich vorgesehen war;
- welche Fläche die wichtigste Referenz darstellt;
- welcher Verschleiß korrigiert werden muss;
- welche Verformung durch den Gebrauch entstanden ist;
- welche Toleranzen für die Funktion erforderlich sind.
Ein Scan sichert die aktuelle Form. Reverse Engineering rekonstruiert die technisch vorgesehene Form.
Welche Werkzeuge sollten zuerst dokumentiert werden?
Nicht jedes Hilfsmittel muss vollständig gescannt und rekonstruiert werden. Beginnen Sie mit den Werkzeugen, deren Ausfall die größten Auswirkungen hätte.
Berücksichtigen Sie dabei:
- die Auswirkungen auf die Produktion;
- die Anzahl der davon abhängigen Produkte;
- die Verfügbarkeit eines alternativen Lieferanten;
- die Kosten und Lieferzeit eines neuen Werkzeugs;
- die technische Komplexität;
- die verfügbaren Zeichnungen und CAD-Dateien;
- die voraussichtliche verbleibende Produktionsdauer.
Ein einfaches Hilfsmittel, das innerhalb weniger Tage neu hergestellt werden kann, erfordert eine andere Vorgehensweise als eine einzigartige Form, von der mehrere Produkte abhängig sind.
Wie MartCad Sie unterstützen kann
MartCad kombiniert 3D-Vermessung, 3D-Scannen, Reverse Engineering und mechanische Konstruktion.
Dadurch können wir nicht nur dokumentieren, dass ein Werkzeug vorhanden ist, sondern auch fehlende Geometrien und technische Unterlagen aufbauen.
MartCad kann Sie unter anderem unterstützen bei:
- Bestandsaufnahme und Maßaufnahme vor Ort;
- 3D-Scanning von Bauteilen und Werkzeugen;
- räumlicher Vermessung größerer Objekte;
- Dokumentation des aktuellen Zustands;
- Vergleich mit vorhandenen CAD-Daten;
- Rekonstruktion zu einem nominalen CAD-Modell;
- Fertigungs- und Detailzeichnungen;
- Stücklisten;
- Dokumentation kritischer Passungen und Referenzen;
- Prüfung nach Reparatur oder Überarbeitung.
Beispiele vergleichbarer Mess- und Engineeringprojekte finden Sie im Portfolio von MartCad.
Fazit
Produktionswerkzeuge, die sich bei externen Lieferanten befinden, stellen ein häufig unterschätztes unternehmerisches Risiko dar.
Eine Eigentumserklärung ist notwendig, aber nicht ausreichend. Ein Foto und eine Werkzeugnummer machen ein Werkzeug identifizierbar, jedoch noch nicht reproduzierbar. Ein 3D-Scan erfasst die aktuelle Form, aber nicht automatisch die ursprünglich vorgesehene Konstruktion.
Ein Produktionswerkzeug, das ausschließlich physisch vorhanden ist, bleibt anfällig. Mit aktueller Geometrie, Zeichnungen und technischen Daten kann es gewartet, übertragen und bei Bedarf erneut hergestellt werden.
Kritische Produktionswerkzeuge digital dokumentieren lassen?
```MartCad unterstützt Sie bei der Vermessung, dem Scannen, der Rekonstruktion und der technischen Dokumentation von Formen, Werkzeugen, Vorrichtungen und anderen Produktionsmitteln.
```

